Rosa Bub und blaues Mädchen?

Eine Diskussion auf Facebook veranlasst mich, endlich über ein Thema zu schreiben, das mich schon seit meinen Praktikantinnen-Tagen im Kindergarten beschäftigt…

Schon seit jeher werden den Geschlechtern bestimmte Interessensgebiete, Handlungsfelder, Vorlieben zugeschrieben.
Mädchen spielen am liebsten mit Puppen, schauen sich Bücher an, lieben es zu malen. Im Garten schaukeln sie am liebsten oder spielen in der Sandkiste.
Buben toben im Bewegungsraum, spielen Pirat und Räuber und Gendarm oder bauen die tollsten Gebilde aus Bausteinen aller Art.
Mädchen lieben Kleider, rosa, Glitzer
Buben haben am liebsten dunkelblau und gefährliche Tiere auf ihrem T-shirt.
Mädchen helfen ihrer Mama gerne im Haushalt.
Buben fahren mit dem Traktor mit auf den Acker.
Mädchen sind das „angenehme“ und ruhige Geschlecht.
Buben sind laut und wild.
Typische Frauenberufe sind Frisörin, Kindergärtnerin, Verkäuferin.
Typische männliche Handlungsfelder sind die Baustelle oder Führungspositionen.

Ja, oft stimmt es- Buben interessieren sich oft für Fahrzeuge oder Ballsport und Mädchen umsorgen ihre Puppen.

Mein (morgen, Hilfe!) einjähriger Bub spielt, wenn er nicht gerade hinter seiner großen Schwester hinterher ist, fast ausschließlich mit Bällen oder verschiedenen Fahrzeugen. Mein Mädchen hingegen liebt es in ihrer Puppenküche zu kochen, zu malen und zeichnen oder ihre Puppis und Kuscheltiere zu umsorgen und spazieren zu fahren.
ABER: Johannes schläft am allerliebsten mit seinem rosa Stoffwindeln und seinem rosa Kuschelhasen ein. Luisa liebt alles was blau ist – Kleider, Spangerl, Spielzeug, Kuscheltiere, Autositz… alles ist blau.

Wer sagt uns, was Mädchen dürfen und Buben sollen?

Meine Kinder sind noch sehr klein, daher „dürfen“ sie auch in der Öffentlichkeit anziehen und spielen was sie wollen (bzw. was ihre Mami will 😉 ). Aber schon jetzt werden wir manchmal schief angesehen, wenn Johannes eine Blumenhose trägt oder mit seinem Hasi kuschelt.

Vor ein paar Wochen war Luisa am Boden zerstört, weil wir ihre zu kleinen Kleider eingepackt haben, um sie einem „Mädchen-Baby“ zu borgen. Sie hat sie wieder aus der Tasche gerissen, weil diese nicht dem Baby gehören, sonder ihrem „Nannes“.
Ich war hin und her gerissen. Was tue ich jetzt? Wie erkläre ich meiner nicht mal dreijährigen Tochter, dass es „Mädchengewand“ und „Bubenkleidung“ gibt? Wie wäre es für mich, für meinen Mann, wenn Johannes ein Kleid anziehen möchte?

Nach langem Hin und Her haben wir beschlossen, dass das „Mädchen-Baby“ Luisas Kleider ausborgen darf. Nur ihr absolutes Lieblingskleid haben wir behalten- „Nannes will, blau Kleid da“
Meine Tochter musste (wegen mir??) das erste Mal einen Kompromiss eingehen, sich der Gesellschaft fügen.
Mein Mama-Herz hat geweint. Wegen meiner traurigen Tochter, aber auch wegen der eingeschränkten Möglichkeiten meiner beiden Kinder. Denn seien wir uns ehrlich: Was müsste sich mein Johannes mit Kleid spätestens im Kindergarten aber auch in seinem erwachsenen Umfeld anhören? Früher oder später würde ihm die Freude vergehen und er sich an andere anpassen.


Versteht mich bitte nicht falsch!!! Es ist nicht mein sehnlichster Wunsch, dass Mein Bub Kleider anzieht oder mein Mädchen Baggerfahrerin wird. Aber wäre es nicht wunderbar, wenn sie von Kindheit an frei entscheiden dürften, was ihnen am besten gefällt ohne zu hinterfragen, was Familie, Freunde, Nachbarn dazu sagen?


Studien belegen, dass Erwachsene ein Kind sehr unterschiedlich behandeln, je nachdem, ob sie davon ausgehen, dass es sich dabei um ein Mädchen oder einen Jungen handelt.

Seavey, Katz, and Zalk beobachteten 1975, dass Erwachsene verschiedenes Spielzeug auswählen, wenn sie mit einem 3 Monate alten Kind spielen, abhängig davon ob sie glaubten, sie hätten ein Mädchen oder einen Jungen vor sich. Das Kind im gelben Strampler wurde 1/3 der ProbandInnen als Mary, 1/3 als Johnny vorgestellt und 1/3 bekam keinen Hinweis aufs Geschlecht. Für Mary wurde häufiger die Puppe gewählt, für Johnny der Football. Wurden den Erwachsenen keine Informationen über das Geschlecht gegeben, wählten Männer häufiger das neutrale Spielzeug (Beißring) und berührten das Kind weniger, Frauen nutzen stereotyperes Spielzeug (Puppe bzw. Football) und suchten mehr Körperkontakt.
Ohne Informationen ob Mädchen oder Junge tippten 57% der Männer und 70% der Frauen auf einen Jungen (Es war ein Mädchen in allen Fällen), und begründeten ihre Vermutung z.B. mit der Kraft oder dem wenigen Haar.
https://rosa-hellblau-falle.de/2018/04/baby-x-experimente/

Die Rosa-Hellblau-Falle

Beim Googlen für den Artikel stieß ich auf den Ausdruck „Die Rosa-Hellblau-Falle. Das spricht mir so sehr aus meiner Seele! Wie oft habe ich mich geärgert, weil es jegliches Baby-Zeug nur in rosa oder blau gab? Wie oft ärgere ich mich, weil es fast ausschließlich nur blaue, graue, dunkle Bubenkleidung gibt? Was spricht gegen gelb, rot, grün, orange? Was spricht gegen eine Einhornschultasche für Buben? Was spricht gegen eine Baggerfahrerin? Gegen einen weiblichen Wirbelwind und einen männlichen Dauerkuschler?

Wir Erwachsene leben mit Vorstellungen und Ideen, wie die Welt grundsätzlich „funktioniert“ bzw. wir gerne hätten, dass sie funktioniert. Weltanschauung, Beziehungsmodelle, Familienleben, Berufsleben, Verpflichtungen, Werte… die Liste ließe sich endlos fortsetzen.
Bei jungen Kindern ist das anders: Sie leben in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Sie verfolgen Sehnsüchte, Wünsche, Hoffnungen, die aus ihrem tiefsten Inneren, nicht geformt oder verändert von anderen.

Was setze ich auf mein Visionboard (Haha, kurze Anmerkung: Ich bin jetzt Ringana-Partnerin 😉 ) für meine Kinder, was wünsche ich mir für sie?

  • Stärke, um sich zu trauen sie selbst zu sein
  • Freude, das zu tun, was sie wollen
  • Achtsamkeit, anderem und „fremdem“ gegenüber

das Thema ist unendlich für mich, ich denke da folgt eine Fortsetzung… 😉

Eure Michaela

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